Jahresbericht 2025

Editorial

Geschätzte Mitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren

2025 war ein Jahr, das die Verwundbarkeit offener, kleiner Volkswirtschaften schonungslos aufgezeigt hat. Globale Machtpolitik, militärische und Handelskonflikte sowie die Tendenz zur Abschottung stellen die Schweiz vor Herausforderungen.

In diesem volatilen Umfeld sind das Verhältnis zur Europäischen Union und die Erneuerung der bilateralen Verträge von grösster Bedeutung. Nur mit weiterhin klaren und verlässlichen Regeln sichern wir den Zugang zu unserem wichtigsten Handelspartner und schaffen die nötige Planungssicherheit für Unternehmen und Arbeitsplätze. Ebenso bedeutend ist es, dass die Schweiz mit möglichst vielen Partnern Handels- und Kooperationsabkommen unterhält, um breit diversifiziert und widerstandsfähig zu sein.

Gleichzeitig zeigen sich im Inland zunehmende Spannungen, weil die Kosten steigen sowie Regulierung und Bürokratie wachsen: Dies wird zum Bremsklotz. Zudem betrachten gewisse Kreise den Staat als Selbstbedienungsladen und Umverteilung als erstes Mittel der Wahl.

In der Altersvorsorge wartet die AHV weiterhin auf eine nachhaltige Reform, doch die harten – aber notwendigen – Schritte bleiben aus. Auch der strukturelle Arbeitskräftemangel bleibt für die Arbeitgeber eine Herausforderung. Der besseren Nutzung des inländischen Potenzials kommt dabei eine zentrale Rolle zu – doch dies allein reicht nicht, um die Arbeitskräftelücke zu schliessen. Die Wirtschaft wird auch in Zukunft auf eine arbeitsmarktbezogene Zuwanderung angewiesen sein.

Auf globale Entwicklungen hat die Schweiz nur wenig Einfluss – im Inland jedoch liegt es in unserer Hand, Verantwortung zu übernehmen, Prioritäten zu setzen und die Zukunft mit Weitsicht zu gestalten. Die Arbeitgeber sind bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse und wünschen eine anregende Lektüre.

Severin Moser
Präsident

Roland A. Müller
Direktor

Schwerpunkt

Warum der bilaterale Weg für die Arbeitgeber der richtige bleibt

Der bilaterale Weg war nie bequem – aber er hat sich für die Schweiz stets bewährt. Er steht für Pragmatismus statt Ideologie und für die Fähigkeit, Offenheit mit Eigenständigkeit zu verbinden. Mit den «Bilateralen III» soll dieses Erfolgsmodell erneuert und an die heutigen wirtschaftlichen Realitäten angepasst werden. Europa ist der wichtigste Partner der Schweiz: Über 40 Prozent unserer Exporte gehen in die EU, rund eine Million Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt davon ab. Die «Bilateralen» sichern den Zugang zum Binnenmarkt, stärken Investitionen, Innovation und helfen, den Fachkräftemangel zu bewältigen. Doch die bestehenden Abkommen sind in die Jahre gekommen und drohen ohne Erneuerung zu erodieren. Das neue Paket bringt mehr Stabilität, Rechtsklarheit und Planungssicherheit – bei überschaubaren und kontrollierbaren Risiken. Wer Chancen und Risiken nüchtern abwägt, erkennt: Die Vorteile der «Bilateralen III» überwiegen und schaffen ein berechenbares Umfeld für Wirtschaft und Arbeitsplätze in der Schweiz.

Aus den Ressorts

Schwerpunkte

Romandie

«Antenne romande»

Die FER, einer der wichtigsten Wirtschaftsakteurinnen der gesamten Westschweiz, ist dem SAV am 1. Januar 2026 beigetreten. Damit stärkt der SAV seine Repräsentativität in der Westschweiz, wo er nun elf Mitglieder zählt. Am 30. November 2025 wurde die Initiative für einen Mindestlohn von 23 Franken pro Stunde von 53 Prozent der Freiburger Stimmberechtigten abgelehnt. Freiburg ist damit der einzige Westschweizer Kanton, der Nein zum Mindestlohn gesagt hat.

International

Internationale Arbeitgeberpolitik:
das Jahr 2025 in Kürze

Die 113.Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz (IAK) fand vom 2. bis zum 13. Juni in Genf statt. An dieser Konferenz verabschiedeten die Delegierten das Übereinkommen Nr.192 über die Prävention und den Schutz gegen biologische Gefahren im Arbeitsumfeld. Im April 2025 hat der Bundesrat das Übereinkommen Nr. 190 über die Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt in die Vernehmlassung gegeben. Die Mehrheit der befragten SAV-Mitgliedsverbände unterstützt dieses Übereinkommen.

Blick des Chefökonomen

Wetter nicht mit Klima verwechseln

Eine konjunkturelle Abkühlung sorgte 2025 am Schweizer Arbeitsmarkt für etwas Entspannung. Doch der nachlassende Druck ist bloss temporär: Hinter der statistischen Entspannung verbirgt sich eine wachsende strukturelle Lücke. Das Klima – die Demografie – gibt die Richtung vor, auch wenn das Wetter – die Konjunktur – kurzfristig für Entspannung sorgt.

Die Stimme der schweizerischen Arbeitgeber

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